CDU Antrag: Runden Tisch zur Waldnutzung

25. Februar 2020

Antrag der CDU–Gemeinderatsfraktion zur Gründung eines Runden Tischs zur Waldnutzung

Die CDU-Fraktion beantragt die Einrichtung eines Runden Tischs hinsichtlich der Nutzung des städtischen Waldes

Begründung:

Wie nutzen und wie schützen wir unseren Wald? Diese Fragen bewegen heute immer mehr Menschen, diese Fragen haben gerade in jüngster Zeit eine immer größere Relevanz und auch Brisanz gewonnen. Denn wie es um den Wald bestellt ist, das betrifft heute alle. Und was die Nutzung angeht, da gibt es unterschiedliche Antworten und Prioritäten, da stehen sich verschiedene Interessen und Ziele gegenüber. Auch bei uns. Deshalb schlagen wir vor Vertreterinnen und Vertreter aller Gruppen, die die hiesigen Waldgebiete – in welcher Form auch immer – nutzen, an einen Tisch zu bitten und zu einer offenen Diskussion einzuladen.

Solch ein runder Tisch eröffnet die Chance, sich über die Frage der Waldnutzung im großen Kreis abzustimmen und für bestehende Probleme Lösungen zu finden, mit denen alle leben können: die Waldbesitzer, Förster und Jäger wie die Umwelt- und Naturschützer, die Erholungsuchenden wie die Freizeitsportler, also Spaziergänger und Wanderer, Radfahrer und Mountainbiker sowie Geocacher.

Unser Wald, das zeigt ja schon seine vielfältige Nutzung, ist ein Leistungsträger par excellence. Er erfüllt für die Menschen, die hier leben, ja, für die Stadt Kraichtal insgesamt eine Fülle von Funktionen. Als Holzlieferant ist der Wald ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, er ist Erholungsort und grüne Lunge; er ist Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, also Grundlage der Biodiversität. Und er ist Klimaschützer. Denn der Wald sorgt für gute Luft und bindet in den Bäumen wie in den aus ihnen gefertigten Holzprodukten das schädliche Kohlendioxid, das zu den großen Verursachern des Klimawandels gehört.

Unser Wald ist ein wertvolles Gut. Er ist Lebensgrundlage und Standortfaktor, er bringt Lebensqualität.

Die unterschiedlichen Standpunkte, die ganz handfesten und die emotionalen Erwartungen, die sich an den Wald richten, bergen auch Konfliktpotential.

Spaziergänger und Förster stören sich an Mountainbikern, die über die Wege rasen oder illegal Routen anlegen. Förster und Jäger beklagen, dass durch Erholungssuchende, Sportler und Geocacher, die auf ihrer GPS-geleiteten Schnitzeljagd den Forst durchkämmen, zu viel Unruhe in den Wald kommt und dass das Wild dadurch gestört, wenn nicht gar vertrieben wird. Waldbesitzer wenden sich gegen einen zu hohen Wildbestand, da er die nötige Aufforstung gefährdet; Bürger stoßen sich daran, wenn Bäume gefällt werden, und Naturschützer beanstanden, es werde zu wenig nachhaltig gewirtschaftet.

Das heißt: Es muss etwas geschehen. Es besteht viel Gesprächs-, Klärungs- und Handlungsbedarf. Wir brauchen mehr Austausch und mehr Zusammenarbeit. Alle Probleme müssen auf den Tisch. Alle Standpunkte müssen angehört, alle Streitfragen offen ausdiskutiert – und Lösungen gemeinsam gefunden werden.

Dafür bietet ein Runder Tisch den geeigneten Rahmen. Was können wir erreichen: Ein Ziel könnte sein, neue Regelungen zu finden, damit sich Waldnutzer und –besucher nicht in die Quere kommen, oder neue attraktive und für alle verträgliche Angebote für die Menschen zu entwickeln, die ihre Freizeit im Wald verbringen. Auch ließe sich die Öffentlichkeitsarbeit verstärken über die Bedeutung des Walds für Mensch, Wirtschaft, Natur und Klima sowie darüber – was der Wald braucht, um seine vielfältigen Funktionen zu erfüllen.

Wie schützen und wie erhalten wir unseren Wald? Denn unseren Wäldern geht es nicht gut, sie brauchen Hilfe. Sie leiden unter den Folgen des Klimawandels. Stürme, trockene Sommer, Borkenkäfer haben ihnen schwer zugesetzt.

Das ist umso besorgniserregender, als der Wald eigentlich, wie schon gesagt, das Klima schützt und er deshalb in unseren Anstrengungen, dem Klimawandel zu begegnen, eine entscheidende Rolle spielt. So wichtig die wirtschaftlichen und sozialen Funktionen des Waldes auch sind – angesichts des Klimawandels gewinnt seine ökologische Funktion eine immer größere Bedeutung.

Doch wie schützen wir den Wald vor dem Klimawandel, wie passen wir ihn an die veränderten Bedingungen an? Welche Baumarten halten Hitze und Trockenheit am besten stand? Sollten wir ein Pilotprojekt starten, um nichtheimische Bäume auf unseren Böden zu testen? Und wie umfangreich müssen die menschlichen Eingriffe sein? Denn Wälder passen sich auch selbst an veränderte Bedingungen an – allerdings vollzieht sich das in recht langen Zeiträumen. Jede Region muss hier eigene Antworten, muss hier für sie passende Lösungen finden.

Das kann nur in gemeinsamen Anstrengungen gelingen, das erfordert einen Schulterschluss von Waldbesitzern, Förstern und Naturschützern. Ja, noch mehr: Unseren Wald den kommenden Generationen zu erhalten, das geht alle an, das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Mit dem Runden Tisch setzen wir hierfür ein Zeichen. Mit dem Runden Tisch haben wir ein Forum, um offene Fragen zu klären, Expertise auszutauschen, Initiativen zu entwickeln und Lösungen zu erarbeiten.

Mit dem Runden Tisch Waldnutzung können wir gemeinsam viel erreichen, damit unser Wald weiterhin allen großen Nutzen bringt und damit dieser wertvolle Lebensraum auch unseren Kindern und Kindeskindern erhalten bleibt.

In diesem Sinne hoffen wir auf die Einrichtung dieses Runden Tischs und auf lebhafte, zielführende Debatten. Neben den genannten Akteuren sollten auch Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen beteiligt werden.

Kraichtal, 24.02.2020

Alfred Richter

CDU – Fraktion

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